Gast

Position Sizing: Die Formel, die dein Konto schützt

18.12.2025 | Research

Stell dir vor, du hast eine Trading-Strategie mit einer Trefferquote von 70 %. Klingt nach einer sicheren Sache, oder? Doch was wäre, wenn ich dir sage, dass du trotz dieser beeindruckenden Quote dein gesamtes Kapital verlieren kannst – und das sogar ziemlich schnell? Die harte Wahrheit ist: Die meisten Trader scheitern nicht an einer schlechten Strategie. Sie scheitern an etwas viel Fundamentaleren, das oft übersehen wird: dem falschen Risikomanagement. Studien zeigen, dass 80 % aller Daytrader innerhalb der ersten zwei Jahre aufgeben und nur ein winziges 1 % am Ende wirklich profitabel ist [1]. Der Grund dafür ist selten die Wahl der falschen Aktie, sondern fast immer die Wahl der falschen Positionsgröße.

Wir Menschen sind von Natur aus emotionale Wesen. Wir werden von Gier getrieben, wenn eine Position ins Plus läuft, und von Angst gelähmt, wenn sie ins Minus dreht. Wir verkaufen unsere Gewinner zu früh und lassen unsere Verlierer zu lange laufen – ein Phänomen, das als „Dispositionseffekt“ bekannt ist [2]. Wir handeln aus dem Bauch heraus, jagen dem nächsten „heißen Tipp“ hinterher und hoffen auf den einen Trade, der alles verändert. Doch Hoffnung ist keine Strategie. Und das Bauchgefühl ist der schlechteste Ratgeber an der Börse. In diesem Beitrag zeige ich dir die mathematische Formel, die dein Konto schützt und den Unterschied zwischen Amateur-Zockerei und professionellem Trading ausmacht. Es ist an der Zeit, das Raten zu beenden und mit System zu handeln.

Was ist Position Sizing wirklich? Die Kunst, im Spiel zu bleiben

Position Sizing ist die wichtigste und gleichzeitig am meisten unterschätzte Komponente des erfolgreichen Tradings. Es beantwortet nicht die Frage, was du handeln sollst, sondern wie viel du von deinem Kapital in einen einzelnen Trade investieren darfst. Es ist dein eingebauter Schutzschild, der sicherstellt, dass kein einzelner Verlust-Trade dein Konto vernichten kann. Stell es dir wie einen professionellen Pokerspieler vor. Er geht nicht bei jeder guten Hand „All-In“. Er kalkuliert das Risiko, die Wahrscheinlichkeiten und die Größe seines Einsatzes, um langfristig am Tisch zu bleiben und zu gewinnen. Trader, die das ignorieren, sind wie Spieler, die am Roulette-Tisch alles auf eine einzige Zahl setzen.

Die Kernidee ist einfach: Dein Risiko pro Trade muss immer in einem festen, vorab definierten Verhältnis zu deinem Gesamtkapital stehen. Das bedeutet, dass die absolute Euro-Summe, die du riskierst, mit deinem Kontostand wächst oder schrumpft. Dieser dynamische Ansatz schützt dich in Verlustphasen vor dem Totalverlust und lässt deine Gewinne in Erfolgsphasen exponentiell ansteigen. Es ist der mathematische Gegenentwurf zum emotionalen Trading und das Fundament für nachhaltigen Erfolg an der Börse.

Die 1%-Regel: Dein Fundament für diszipliniertes Trading

Die einfachste und effektivste Methode des Position Sizing ist die „Fixed Fractional Method“, besser bekannt als die 1%-Regel. Sie ist so simpel wie genial und für jeden Trader – vom Anfänger bis zum Profi – die absolute Grundlage. Die Regel besagt: Riskiere niemals mehr als 1 % deines gesamten Trading-Kapitals in einem einzigen Trade.

Warum 1 %? Weil es mathematisch fast unmöglich ist, mit dieser Regel sein Konto zu zerstören. Selbst bei einer Serie von 20 Verlust-Trades in Folge hättest du immer noch rund 82 % deines ursprünglichen Kapitals. Dein Kopf bleibt frei, du vermeidest Panikverkäufe und kannst dich voll auf die saubere Ausführung deiner Strategie konzentrieren. Die Berechnung ist denkbar einfach:

  • Schritt 1: Definiere dein Risiko in Euro: Kontostand × 1 % = Maximales Risiko pro Trade
  • Schritt 2: Definiere dein Risiko pro Aktie: Einstiegskurs – Stop-Loss-Kurs = Risiko pro Aktie
  • Schritt 3: Berechne deine Positionsgröße: Maximales Risiko pro Trade / Risiko pro Aktie = Anzahl der Aktien

Ein praktisches Beispiel:

Angenommen, dein Kontostand beträgt 25.000 €. Dein maximales Risiko pro Trade sind also 250 € (1 % von 25.000 €). Du möchtest die Aktie X kaufen, die bei 50 € notiert. Deinen Stop-Loss setzt du bei 48 €. Dein Risiko pro Aktie beträgt somit 2 €. Deine Positionsgröße berechnet sich wie folgt: 250 € / 2 € = 125 Aktien. Du kaufst also 125 Aktien im Wert von 6.250 €. Sollte die Aktie auf 48 € fallen und dein Stop-Loss ausgelöst werden, verlierst du exakt 250 € – also genau 1 % deines Kapitals. Kein Raten, keine Emotionen, nur reine Mathematik.

Für Fortgeschrittene: Die Kelly-Formel zur Gewinnmaximierung

Während die 1%-Regel primär dem Kapitalschutz dient, geht die Kelly-Formel (Kelly Criterion) einen Schritt weiter. Sie zielt darauf ab, die Wachstumsrate deines Kontos mathematisch zu maximieren. Entwickelt vom Wissenschaftler John Kelly in den 1950er Jahren, berechnet sie den optimalen Prozentsatz deines Kapitals, den du in einen Trade investieren solltest, basierend auf deiner Gewinnwahrscheinlichkeit und deinem Gewinn-Verlust-Verhältnis [3].

Die Formel lautet: Kelly % = W – [(1 – W) / R]

  • W = Deine historische Gewinnwahrscheinlichkeit (z.B. 0,6 für 60 % Trefferquote)
  • R = Dein historisches Gewinn-Verlust-Verhältnis (z.B. 2 für ein durchschnittliches Verhältnis von 2:1)

Beispiel: Du hast eine Strategie mit einer Trefferquote von 55 % (W = 0,55) und einem durchschnittlichen Gewinn-Verlust-Verhältnis von 2:1 (R = 2). Die Formel ergibt: Kelly % = 0,55 – [(1 – 0,55) / 2] = 0,55 – 0,225 = 0,325. Das bedeutet, du solltest theoretisch 32,5 % deines Kapitals pro Trade riskieren, um dein Wachstum zu maximieren.

Aber Vorsicht: Die Kelly-Formel ist ein zweischneidiges Schwert. Sie erfordert eine sehr genaue Kenntnis deiner eigenen Performance-Daten und führt zu einer extrem hohen Volatilität (Drawdowns). In der Praxis verwenden professionelle Trader daher oft nur einen Bruchteil des Ergebnisses, z.B. „Half-Kelly“ (in diesem Fall 16,25 %), um das Risiko zu reduzieren. Die Kelly-Formel ist ein mächtiges Werkzeug für erfahrene, systematische Trader, aber für Anfänger ist die 1%-Regel der deutlich sicherere Weg.

🚀 Schluss mit Raten. Starte jetzt mit System.

Das AIquant Trader-Cockpit nimmt dir die emotionale Last ab. Erhalte klare, KI-basierte Handelssignale inklusive präzisem Risiko- und Positionsmanagement. Konzentriere dich auf das, was zählt: den disziplinierten Erfolg.

Kostenlose Registrierung • Keine Kreditkarte erforderlich • Sofortiger Zugang zum Trader-Cockpit

Fazit: Dein Erfolg ist eine Frage der Mathematik, nicht der Magie

Die Statistiken lügen nicht: Die überwältigende Mehrheit der Trader verliert Geld. Nicht, weil sie dumm sind oder Pech haben, sondern weil sie die grundlegendste Regel des professionellen Handels ignorieren: das mathematische Risikomanagement. Sie handeln nach Gefühl, lassen sich von Gier und Angst leiten und sprengen ihr Konto mit zu großen Positionen. Erfolg im Trading ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von Disziplin, einem statistischen Vorteil und vor allem einem rigorosen, systematischen Position Sizing.

Ob du die einfache 1%-Regel als solides Fundament nutzt oder als fortgeschrittener Trader mit der Kelly-Formel dein Wachstum optimierst – der entscheidende Schritt ist, Emotionen aus der Gleichung zu nehmen und sie durch Mathematik zu ersetzen. Genau hier setzt AIquant an. Unsere KI-Systeme analysieren den Markt und liefern dir nicht nur klare Ein- und Ausstiegssignale, sondern auch das dazugehörige, präzise Positionsmanagement. Wir geben dir die Werkzeuge an die Hand, um endlich diszipliniert, systematisch und damit langfristig erfolgreich zu handeln. Bist du bereit, aufzuhören zu zocken und anzufangen zu traden?


Quellen

[1] Barber, B. M., Lee, Y., Liu, Y., & Odean, T. (2010). Do Day Traders Rationally Learn About Their Ability? SSRN Electronic Journal.
[2] Odean, T. (1998). Are Investors Reluctant to Realize Their Losses? The Journal of Finance.
[3] Thorp, E. O. (2008). The Kelly Criterion in Blackjack, Sports Betting, and the Stock Market. Handbook of Asset and Liability Management.